„Wohin soll ich mich wenden“ – Deutsche Messe in der Kluskirche

Zu einem besonderen musikalischen Gottesdienst laden der Musikverein und die Pfarrgemeinde Giershagen
am 9. September in die Kluskirche ein. Es erklingt die "Deutsche Messe" von Franz Schubert. Der Gottesdienst
beginnt um 10:30 Uhr.
Schuberts Deutsche Messe steht in der Tradition deutscher Singmessen, die sich seit dem Ende des 18.
Jahrhunderts ausbreiteten. Die Liturgie wurde damals vom Priester leise oder halblaut in lateinischer Sprache
zelebriert, während die Gemeinde aus dem Gebetbuch betete oder den Rosenkranz murmelte. Das empfand
man in der Aufklärung zunehmend als unannehmbar. Man ließ die Gemeinde nun zum Ablauf der Liturgie
passende Lieder singen.
1826 schrieb Johann Philipp Neumann den Text: "Geistliche Lieder für das heilige Messopfer“. Neumann
erteilte Franz Schubert den Auftrag zur Vertonung. Verbreitung fand das Werk durch zahlreiche Bearbeitungen.
Zur Originalbesetzung gehören neben dem Chor auch Bläser und Orgel. Kirchlicherseits gab es zunächst
Vorbehalte gegen das Werk. Es wurde von der erzbischöflichen „Censur“ 1827 zwar zugelassen, aber sein
Gebrauch in offiziellen Gottesdiensten untersagt. Erst um 1850 wurde dieses Verbot zurückgenommen. Danach
fanden manche der Lieder Aufnahme in die Kirchengesangbücher. Am bekanntesten wurde das Sanctus (Heilig,
heilig, heilig).
Das Blechbläserquintett des Musikvereins Giershagen und Pastor Moors freuen sich auf viele
Gottesdienstbesucher, die in der authentischen Atmosphäre der Kluskirche – der einzigen erhaltenen
Wüstungskirche in Westfalen – einen besonderen Gottesdienst erleben dürfen. Gesanglich unterstützt wird das
Ensemble von Sina Neumann.
Erbaut wurde die Kluskirche in der Mitte des 12. Jahrhunderts als Pfarrkirche des Ortes Upsprunge. Nach den
Zerstörungen des 30-jährigen Krieges wurde die einschiffige, romanische Kirche durch den Bredelarer Abt
Absalon Hauk 1682 wieder aufgebaut und um ein quadratisches Joch und den Chorraum erweitert.
1690 wurde der wertvolle barocke Hochaltar von dem Giershagener Bildhauer Heinrich Papen geschaffen.
Im 7-jährigen Krieg wurde 1761 bei der Schlacht um Bredelar die Turmspitze abgeschossen. Das Dorf
Upsprunge, das schon 1737 teilweise wüst lag, wurde gänzlich zerstört und endgültig aufgegeben. Die
Bewohner siedelten nach Giershagen.
Bis 1801 war die Kluskirche noch die Pfarrkirche von Giershagen. Danach verfiel sie und diente den Hirten und
ihren Tieren als Unterstand.
1934 wurde die „verwahrloste“ Kirche gründlich renoviert. Die letzte grundlegende Renovierung von Kirche
und Altar erfolgte 2010/11.